Menschliches Leben ist sehr komplex. Es gibt vielfältige Arten, dieses Leben zu gestalten und auszufüllen.

Keine Lebensweise ist grundsätzlich allen anderen überlegen oder die einzig richtige.
Psychisch zu erkranken ist eine menschliche Möglichkeit, die alle Menschen potentiell haben.
Es ist daher weder die Folge schuldhaften Versagens, noch ein Zeichen von Auserwähltheit.

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Achtung und Toleranz

Nicht psychisch zu erkranken ist infolgedessen weder ein Verdienst noch eine unverdiente Gnade.
Diese Bewusstheit sollte den Umgang zwischen seelisch erkrankten und nicht erkrankten Menschen prägen: durch wechselseitige Achtung und Toleranz, ebenso wie durch Achtsamkeit im Umgang mit der jeweils anderen Lebensweise und Weltsicht.
Dies bedeutet jedoch keine Verpflichtung, auch die Lebensweisen zu unterstützen, die destruktiv, verletzend, intolerant und/oder fordernd, vereinnahmend und asozial sind.
Die Achtung vor der eigenen Weltsicht verpflichtet in diesem Fall dazu, notwendige Schutzgrenzen zu ziehen und mit geeigneten Mitteln zu verteidigen.

 

Innerseelisches Gleichgewicht

Eine psychische Krankheit bedeutet entweder den Verlust eines innerseelischen Gleichgewichts oder den Versuch, ein solches Gleichgewicht herzustellen oder zu erhalten. In beiden Fällen wird dies an äußerlichen Symptomen sichtbar.
Aufgabe einer professionellen sozialen Arbeit ist nicht primär, diese Symptome zu beseitigen, sondern Hilfestellung zu geben, ein relatives Gleichgewicht (wieder) zu finden.
Hierbei sind die individuellen Ressourcen des/der Betroffenen (und der Helfer) von entscheidender Bedeutung.

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Selbstbestimmung

Seelisch Erkrankte haben das Recht, ihre (Lebens-) Ziele selbst zu wählen. Dies schließt auch das Recht ein, einen bestehenden (Krankheits-) Zustand nicht zu verändern.
Die Verantwortung der professionellen Arbeit betrifft lediglich den gemeinsamen Arbeitsweg, nicht das Ergebnis der Bemühungen. Insofern entscheiden die professionellen Helfer nicht, was für Betroffene gut oder schlecht ist.
Sie drücken lediglich ihre Einschätzung der Situation aus und entscheiden, ob sie das jeweilige Bemühen der Klienten mittragen oder nicht.

Menschliche Entwicklungen brauchen Zeit. Jeder Mensch hat das Recht, die Geschwindigkeit der eigenen Entwicklung selbst zu bestimmen, abhängig von seiner individuellen Befindlichkeit und den zur Verfügung stehenden sozialen Rahmenbedingungen.

 

Wunschvorstellungen und Träume

Wunschvorstellungen und Träume gehören zur Lebenswelt jedes Menschen und verdienen Aufmerksamkeit, auch dann, wenn sie offensichtlich nicht in die Realität umsetzbar sind.
Sie sind ein Teil der inneren Wirklichkeit jedes Menschen. Das Wissen hierüber ist ein wichtiger Teil zur Wahrnehmung des gesamten Menschen.

Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Teilaspekte, insbesondere mehr als die Summe seiner Symptome.
Aber auch die Symptome gehören zu ihm. Insbesondere die Inhalte der (sichtbaren) Symptome helfen, den jeweiligen Menschen zu verstehen.
Gleichzeitig muss der Blick offen bleiben für die Dinge, Einstellungen, Persönlichkeitsanteile, die unabhängig von diesen Krankheitssymptomen vorhanden sind und den Zugang zum sozialen Alltag offen halten.

 

Grundbedürfnisse

Die Grundbedürfnisse jedes Menschen sind unabhängig von der Erkrankung vorhanden: der Wunsch als ganzer Mensch mit allen Möglichkeiten und Schwächen angenommen und akzeptiert zu werden, der Wunsch nach Zugehörigkeit und Heimat, der Wunsch, gebraucht zu werden und zu geben, der Wunsch geschützt zu werden und Aufmerksamkeit zu erfahren.